Schulische Intelligenz und Lebensintelligenz

Die Englischaufgaben sollen von 1-15 durchgearbeitet werden. Es ist eine Drill-Aufgabe zur Einübung einer Form. Dem Schüler scheint es zu langweilig zu sein. Sein Interesse gilt dem Helikoptergeräusch, das irgendwo in der Ferne ertönt und das ich kaum wahrgenommen habe. Er bemerkt es mit leuchtenden Augen.

Er fügt sich trotzdem und bearbeitet die Aufgaben. Ich beobachte, dass er nicht im Grammatikheft nachschaut (, wie wir Lehrer*innen es doch gern hätten), wenn er die richtige Form nicht weiß. Er wendet intelligent andere Strategien an: Ausschlussprinzip oder den Nachbarn fragen.


Ich erkläre es ihm zum fünften Mal und erinnere mich an mich selbst als Schülerin. Einfach lieb nicken und ja sagen, damit ich meine Ruhe habe, auch wenn ich es nicht wirklich verstanden habe.

Wie viele Schüler*innen verbringen wohl wie viel Zeit damit, lieb zu nicken und Ja zu sagen, um vom Lehrer nicht mehr genervt zu werden, während ihre Köpfe für ganz andere Dinge brennen?

Ich habe in solchen Erklärmomenten ein Gefühl von Absurdität oder auch Energieverschwendung. Der Mensch vor mir interessiert sich offensichtlich nicht für das, was ich ihm vorlege. Ich erkläre es ihm und es geht links rein und rechts wieder raus aus seinem Kopf. Was für eine Verschwendung von Aufmerksamkeit und Lebensenergie bei ihm und bei mir. Ich merke, dass beides in diesen Momenten weniger wird. Aufmerksamkeit und Energie verpuffen. Naja, immerhin sind die Englischaufgaben einigermaßen gemacht.

Ja. Und was bringt uns das?