Das Wochenende und das Kommunikationsverhalten

Die Schüler*innen sollen von ihrem Wochenende erzählen oder davon, wie es ihnen geht. So wollen wir entspannt und angenehm in den Tag starten.
(An dieser Stelle kann ich mich als Lehrerin erstmal fragen: 1. Interessieren mich die Antworten der Schüler*innen wirklich oder tue ich nur so? 2. Bin auch ich bereit etwas von mir zu erzählen? Oder sehe ich es als Einbahnstraßenkommunikation: Die Schüler*innen müssen aus ihrem Privatleben erzählen, während ich diskret über mein Leben/Befinden schweigen darf.)

Wenn ich dann systembedingt zum Abschluss der Schulstunde angehalten bin, das Kommunikationsverhalten der Schüler*innen mit Schulnoten zu bewerten und in den dafür vorgesehenen Mitteilungsbogen einzutragen, kriege ich zu viel.

Habe ich das falsch verstanden? War der Tageseinstieg nicht eine vertrauensbildende Angelegenheit? Ein In-Beziehung-Gehen? Einfach nur ein „Wie geht es dir? Ich interessiere mich für dich.“

Geht das Vertrauen nicht (zu Recht) sofort wieder flöten, wenn auf dem Fuße die Bewertung folgt?

Vielleicht habe ich als Schülerin deswegen nicht gern von mir erzählt. Weil der Lehrer die Bewertungs- und Definitionsmacht hatte. Kaum etwas in Schule darf einfach mal so stehen bleiben, darf einfach mal so sein, wie es ist.

Nein, dann folgt sofort ein: „Hanna, du hast heute wenig von deinem Wochenende erzählt. Du bist etwas zurückhaltend. Dein Kommunikationsverhalten ist deshalb eine 4.“ Selbst wenn Hanna sich selber heute sehr mutig fand, weil sie erzählt hat, dass es ihrem Hamster am Wochenende nicht gut ging.

Geht’s noch?

Früher dachte ich, dass ich einen Sprung in der Schüssel habe, weil sich solche Situationen falsch für mich angefühlt haben. Heute denke ich, dass der Sprung vielleicht in unserem Umgang mit jungen Menschen steckt.

Das Gute: Sprünge lassen sich kleben.

Mit ganz viel Wertschätzung, Achtsamkeit und Augenhöhe.