Nie gut genug (II)

Brave, pflichtbewusste und leistungsbereite Schüler*innen wie Luisa springen schon, wenn die Lehrer*innen nur mit den Fingern schnipsen. Manche von ihnen haben ihre Antennen (unbewusst) vor allen Dingen darauf ausgerichtet, Anweisungen entgegen zu nehmen und zu erfüllen.

Ich zum Beispiel war als Schülerin sehr empfänglich für die Gehorsamskultur in Schule. Als ich nach der Schulzeit im Ausland war und mein dortiger Mentor mich bei meinen Nachfragen, ob ich meine Aufgabe entsprechend gelöst hatte, auf mich selbst zurückwarf: „Findest du es gut genug?“, wurde mir zum ersten Mal klar, dass ich nicht gelernt hatte, selbst zu entscheiden, ob etwas gut genug war. In meinem Leben gab es über prägende Zeiträume hinweg eine externe Instanz (Lehrer*innen, aber auch andere Erwachsene), die bewertete, ob das, was ich tat, gut genug war.

In der Schule gibt es in der Regel immer jemanden, der bewertet, was andere tun. Er entscheidet meist, wie sie es zu tun haben, in welchem Tempo, um wie viel Uhr und wann der Prozess zu Ende oder die Zeit abgelaufen ist. Abschließend folgt das Urteil, ob es gut genug ist.

Kein Wunder, wenn in dieser Welt so viele Menschen sind, die dringend Bestätigung im Außen benötigen und für sich allein keinen Sinn generieren können.