Strafen, Selbst- und Weltbilder

Wenn ich in einem Dankesbrief einer Schülerin an ihre Lehrer lese: “Danke auch für Ihre Strafen, durch die ich gearbeitet habe.”, dann bin ich erschrocken. Und frage mich (dieser Blog heißt nicht umsonst Lehrerinnenfragen 😉 ), was das Mädchen gelernt hat.

“Ich arbeite nur mit Strafen”?
“Ich brauche Strafen, um zu arbeiten”?
“Andere Menschen (Erwachsene) sind befugt, mich zu bestrafen”?
“Es ist normal, dass Lehrer*innen mich bestrafen dürfen”?
“Von alleine packe ich nichts an. Ohne Strafen bin ich motivationslos”?

Welches Selbst- und Weltbild vermitteln wir jungen Menschen? Mag sein, dass auch Schulstoff ‘dank’ der Strafen beigebracht worden ist. Vor allen Dingen aber ein unfreundliches Selbst- und Weltbild.

Es ist endlich die Zeit da, dass wir Erwachsene uns fragen, wie wir mit jungen Menschen umgehen.

Und nein, die oben erwähnte Schülerinnenäußerung ist kein Einzelfall. An verschiedenen Schulen habe ich diese Erfahrung gemacht (“Frau Pfuhl, Sie müssen uns bestrafen. Sie müssen strenger sein.”) und auch Kolleg*innen berichten davon.

Junge Menschen, die solche unfreundlichen Selbstbilder entwickelt haben, tragen sie oft auch noch als Erwachsene mit sich herum – und glauben sie. Nicht ohne Grund gibt es viele Erwachsene, die nicht in der Lage sind, gut für sich selbst zu sorgen und freundlich mit sich selbst zu sein.

Hinter all den Schulfragen steht eigentlich nur eine: Wie gehen wir als Menschen miteinander um? (Nicht nur in der Schule, sondern auch im Arbeitsleben, in (internationalen) Wirtschaftsbeziehungen, in politischen Beziehungen, in der Familie, mit anderen Erwachsenen,…)

Junge Menschen verdienen es, respektvoll und wertschätzend behandelt zu werden. Es ist unsere Aufgabe als Erwachsene, die wir die Mächtigeren sind, mit dem Respekt und der Wertschätzung zu beginnen.

Es ist nicht unsere Aufgabe, junge Menschen strafend und bewertend “ins Leben zu schicken”, sondern sie liebevoll und mutmachend im Leben zu begleiten.