Schulleiter*innenmotivation

Es gibt Schulleiter*innen, die an ihrer Schule „ein hartes Regiment“ führen. Kolleg*innen von benachbarten Schulen wollen auf keinen Fall nach ihrem Sabbatjahr an diese Schule wechseln. Denn sogar aus der  häuslichen Quarantäne in Corona-Zeiten führt die Schulleiterin dort das Kollegium mit „strengster Hand“.

Es gibt Schulleiter*innen, die um 6 Uhr morgens im Büro sitzen und sich erst um 20 Uhr wieder auf den Weg nach Hause machen.

Es gibt Schulen, an denen die Schulleitung besonders gern Sonntagnachmittage nutzt, um neue Mitteilungen an das Kollegium rauszuschicken, und an denen auch in den Ferien reger Emailverkehr herrscht.

Es gibt Schulleiter*innen, die sich für ihre Schule um ein Siegel und um eine Auszeichnung nach der anderen bemühen.

Es gibt Schulleiter*innen, die bei jeder Lehrer*innenkonferenz eine Menge Ziele für ihre Schule, Kollegium und Schüler*innen formulieren und deren Erreichung hartnäckig verfolgen.

Es gibt Schulen, an denen Schüler*innen individuell gefördert werden, indem sie aufgefordert werden, Klassen zu überspringen. Das erfolgreiche Überspringen wird anschließend gern auf der Homepage der Schule veröffentlicht.

Es gibt Schulen, an denen für Schüler*innen die Teilnahme an (Sport-, Sprach- oder ähnlichen) Wettbewerben Pflicht ist. Auch die erfolgreiche (!) Teilnahme wird auf der Homepage stolz dokumentiert.

Was steht hinter diesen Handlungen?

Handeln Schulleiter*innen, die um sechs Uhr morgens schon im Büro sitzen, aus Freude? Sind sie getragen von freudvollen Visionen für ihre Schule, die ihnen am Herzen liegen? Wunderbar!

Wenn jedoch Schulleiter*innen aus einem Mangel heraus handeln, kann daraus wenig Gutes entstehen.
Wenn eine Schulleiterin unbedingt eine gute Schulleiterin sein muss, und dies erreichen möchte, indem sie Schüler*innen zur Teilnahme an Wettbewerben verpflichtet, ist die Motivation mangelndes Selbstwertgefühl.

Wenn ein Schulleiter unbedingt noch das Gütesiegel Individuelle Förderung ergattern muss, weil er sonst kein guter Schulleiter ist, dann steht dahinter seine Angst, (als Schulleiter?) nicht gut genug zu sein.

Wenn Schulleiter*innen angetrieben aus der irrtümlichen Annahme über sich selbst, (als Schulleiter*in) nicht gut genug zu sein, zwanghaft handeln, instrumentalisieren sie (unbewusst) Kolleg*innen und Schüler*innen, um ihren Mangel an Selbstwert zu kompensieren.

Es wird Zeit, dass auch Schulleiter*innen für ihre Prägungen Verantwortung übernehmen und diese nicht auf andere Menschen abwälzen.

Was ist meine Motivation? Was ist mein Antrieb? Warum will ich, dass andere Menschen (unbedingt) dies und jenes tun? Warum kann ich es nicht aushalten, wenn sie dies und jenes nicht tun? Was macht das mit mir?

(Das gilt übrigens ebenso für andere Berufszweige und Beziehungskonstellationen.
Und das gilt natürlich ebenso für mich: Warum schreibe ich diese Texte?)