Schulische Inkongruenz

In Schule gibt es allerlei Regeln, meist ein ganzes Regelwerk, damit der reibungslose Unterrichtsablauf funktioniert.

Dazu gehört auch das an den meisten Schulen bestehende Handyverbot. Je nach Schule sind die Feinheiten des generellen Handyverbots verschieden ausgefeilt.

An manchen Schulen dürfen Unterstufenschüler*innen das Handy in den 5-Minunten-Pausen benutzen, an anderen nur in der Mittagspause.

An manchen Schulen dürfen Oberstufenschüler*innen Handys nur in bestimmten Räumen benutzen, an anderen Schulen im gesamten Gebäude.

Unabhängig von diesen verschiedenen Präzisierungen findet man ein Handyverbot an fast allen Schulen – aus Sorge, dass Schüler*innen sich sonst vom Unterricht ablenken lassen.

Was machten Schüler*innen denn an ihren Handys?

Vermutlich würden sie am häufigsten ihre Nachrichten „checken“. Gibt es eine Nachricht vom besten Freund? Vielleicht würden sie eine Information suchen: Wann läuft die nächste Staffel der Lieblingsserie an? Und sicherlich würden sie die eine oder andere Information für den Unterricht suchen: Was heißt nochmal „Handyverbot“ auf Englisch?

Sind das nicht genau die Aktivitäten, die wir Lehrer*innen am Handy machen, wenn wir uns selbst erlauben, das Handyverbot im Unterricht zu übergehen, und das Handy nutzen?

„Checken“ wir dann nicht unsere Nachrichten? Schreiben wir dann nicht eben eine Nachricht an den Partner? An die Laufgruppe? An die Mädels? Gucken wir nicht eben das Wetter nach oder schlagen nach, was nochmal „zweierlei Maß“ auf Spanisch heißt, weil es uns gerade partout nicht einfallen will?

Ich verstehe nicht, warum so viele Angelegenheiten wie das Handyverbot in unserem (Lehrer*innen)Fall etwas Anderes sind und wir das dürfen.