Unnatürliche Beziehungen

Wenn ich Hermann vorschreibe(n muss), was er als Nächstes in meinem Unterricht machen soll (Unser (?) Ziel: dem schulinternen Lehrplan entsprechend und gemäß der Fachschaftsvereinbarungen das Lehrwerk durcharbeiten oder aber auf andere Art und Weise den im Lehrwerk enthaltenen Stoff an die Schüler*innen bringen), fühle ich mich unwohl. In dem Augenblick stecken er und ich in einer unnatürlichen Beziehung zueinander.

Wer bin ich denn, dass ich ihm vorschreibe, was er zu tun hat?

Woher sollte ich das Recht haben, ihm etwas vorzuschreiben?

Der Unterricht ist vorbei. Wir – ich kann von der Lehrerin-Schüler-Beziehung wechseln zu einer Beziehung zwischen Mensch und Mensch. Damit fühle ich mich sehr viel wohler. Hermann, ich interessiere mich für dich. Wie geht es dir? Was ist dein Anliegen? Möchtest du etwas mit mir teilen?

Im Prozess des wie in Schule erzwungenen Unterrichtens und Belehrens geht die Augenhöhe abhanden: der Lehrer belehrt die Schülerin. Der Schüler wird zum Objekt der Lehrer*innenbelehrungen.

Das ist keine Beziehung, die einer natürlichen Beziehung zwischen Menschen entspricht. Denn Menschen sind Subjekte, keine Objekte. Und da spielt das Alter keine Rolle.