Lehrer*innenempörung

Nach den großen Ferien: „Die können keinen einzigen Satz (auf Französisch) sagen!“

Das ist aus Lehrer*innensicht nach all der Arbeit wirklich demotivierend. Man fragt sich (vielleicht) als Lehrer*in: Wofür habe ich mir die ganze Mühe gemacht, Arbeitsblätter gestaltet, Unterrichtsstunden geplant usw., wenn sowieso bei den Schüler*innen nichts hängen bleibt?!?
Schuldzuweisungen, Vorwürfe, Urteile wie „Die kriegen es einfach nicht auf die Reihe“, „Sie sind einfach faul“, „Sie sind so unmotiviert“ liegen uns als Lehrer*innen da schnell auf der Zunge.

Damit wäre die Angelegenheit geklärt: Ich gebe mir solche Mühe, aber sie kriegen es einfach nicht hin.

Dennoch wage ich es, die Frage in den Raum zu stellen: „Woll(t)en die Schüler*innen denn überhaupt Französisch lernen?“

Lautet die Antwort „Nein“, erklärt das vielleicht, warum so wenig bei ihnen „hängen bleibt“…

Wir beschweren uns (ja, wir be-schweren uns), dass Schüler*innen unseren Erwartungen nicht entsprechen.

Okay. Aber haben wir denn überhaupt gefragt, ob sie das, was wir von ihnen erwarten, überhaupt tun wollen?

Ist das nicht in etwa so wie, wenn ich Zwangsunterricht in Chinesisch bekomme, an dem ich vielleicht gar nicht teilnehmen möchte, und der Kursleiter sich dann über meine mangelnde Motivation und die fehlende Leistung beschwert?

Ja aber, ich wollte ja auch gar nicht mitmachen! Es ist mir (aktuell) kein Anliegen, Chinesisch zu lernen.

Aber das ist doch nicht vergleichbar mit Schule!

Stimmt! Ich bin nicht gezwungen, am Chinesischunterricht teilzunehmen. Meine Schüler*innen sind sehr wohl gezwungen an meinem Französischunterricht teilzunehmen.

Wir empören uns darüber, dass andere Menschen unsere ihnen übergestülpten Ziele nicht erreichen (wollen).

Wenn ich genauer darüber nachdenke, finde ich das eigentlich nicht verwunderlich…

Gefiele mir auch nicht, … fremde Ziele verfolgen zu müssen…