Schule und Selbstwert

Es gibt SchülerInnen, die ihren Selbstwert an ihre schulischen Leistungen heften. In diesen Momenten passiert ein (manchmal bis ins Erwachsenenalter anhaltendes folgenschweres) Missverständnis: ich bin wert, was ich leiste.

Aber es gibt auch SchülerInnen, die wissen und fühlen, dass sie wertvoll sind – ohne Wenn und Aber. Sie fühlen, dass sie als Mensch wertvoll sind, unabhängig von ihren Leistungen und schulischen Bewertungen. Dieses Gefühl für den eigenen Selbstwert ist die Basis, auf der man eigene, unabhängige Entscheidungen treffen kann.

Manchen (eigensinnigen) SchülerInnen gefällt Schule nicht. Sie entscheiden vielleicht, sich nicht um gute Leistungen zu bemühen, dem Unterricht fern zu bleiben und schulische Ermahnungen in Kauf zu nehmen. Frei sind sie dadurch dennoch nicht. Die Reaktionen von Schule auf diese eigensinnigen Entscheidungen bringen den SchülerInnen Scherereien. Diese nehmen Zeit und Aufmerksamkeit in Anspruch und erschweren für den Schüler das Verfolgen eigener Projekte. Aber immerhin sind diese jungen Menschen nicht in ihrem Selbstwert erschüttert.

Wenn die Energie dafür verwendet werden muss, sich gegen Schule und schulische (Zwangs)Maßnahmen wehren zu müssen, bleibt keine oder wenig Energie für das, was man wirklich tun möchte. Wenn man dem Unterricht fern bleibt und sich, um weder von Eltern noch von LehrerInnen entdeckt zu werden, „herumtreiben“ muss, kann man in der frei gewordenen Zeit dennoch nicht seine eigenen Ziele verfolgen. Wenn man damit konfrontiert ist, „Konsequenzen“ (zum Beispiel Strafarbeiten wie das Abschreiben der Schulordnung) ertragen zu  müssen, nimmt auch das Zeit, Energie und Raum weg von den eigenen Projekte.

Warum vertrauen wir denn  den jungen Menschen nicht?

Warum glauben wir, dass sie unbedingt das tun müssen, was im Lehrplan vorgegeben ist?

Warum glauben wir, dass aus ihnen nichts wird, wenn sie eigensinnig sind?

Warum glauben wir, dass es ihnen schadet, wenn sie nicht um 8 Uhr morgens stramm stehen, um mit 25 anderen zu beschulenden Menschen dem Erdkundeunterricht zu folgen?