Ich glaube an euch

Das vorletzte Mal Corona-Präsenzunterricht vor den Ferien. In der 2. Hälfte der Doppelstunde komme ich mit den SchülerInnen über Schule ins Gespräch und lasse den Unterrichtsstoff Unterrichtsstoff sein (und stellt euch vor, in solchen Momenten habe ich jedes Mal ein schlechtes Gewissen, meinem Stoffvermittlungsauftrag als Lehrerin nicht gerecht zu werden, und hoffe, dass keinE KollegIn reinkommt. Wenn es laut ist, hoffe ich auch immer, dass keiner reinkommt. Sieht halt schon doof aus, wenn man seine Klasse nicht im Griff hat.)

Im Laufe des Gesprächs schaue ich in die Runde junger Menschen, die vor mir sitzt, und sage ihnen: „Ich habe großes Vertrauen in euch. Ganz unabhängig von irgendwelchen Noten, die ihr in Schule bekommt, glaube ich an euch. Ich glaube daran, dass ihr alle so viel Gutes in euch tragt und halte es für viel wichtiger, dass ihr ein Gespür entwickelt, was ihr mit eurem Leben machen wollt, als dass ihr in Französisch eine gute Note habt.“ Es ist still in der Klasse, die SchülerInnen schauen mich an. Ich habe dein Eindruck, dass es ihnen gut tut, das zu hören. Und ich meine es von Herzen.

Mir jedenfalls tut es auch jetzt als Erwachsene immer noch gut, so etwas zu hören.

Am Nachmittag erhalte ich eine Nachricht einer Schülerin, die am Morgen mit dabei war: „Ich habe mich noch nie so wohl in der Schule gefühlt wie heute.“

Ja, es ist das, was uns gut tut: als Menschen gesehen und gewertschätzt zu werden.

Und nicht die (gute) Benotung von Leistungen, zu deren Erbringen wir nicht die Wahl hatten.