SchülerInnenentschuldigungen – oder LehrerInnenmacht

„Entschuldigen Sie bitte, dass ich mich nicht ganz an den Aufbau [des Dialogs] gehalten habe, sondern mir selbst ein bisschen ausgedacht habe.“ Eine Schülerin entschuldigt sich (in der Corona-Zeit) dafür, dass sie sich nicht komplett an die Aufgabenstellung gehalten hat. Wollten wir junge Menschen nicht in Kreativität und eigenständigem Denken unterstützen?

„Liebe Frau Pfuhl, ich bitte um Verzeihung, dass ich die Geschichte nicht rechtzeitig geschickt habe.“ Eine Schülerin entschuldigt sich, dass sie die Abgabefrist nicht eingehalten hat.

Ein anderer Schüler macht sich im Gegensatz dazu sorgen, dass seine Aufgaben lange vor Ablauf der Frist bei mir ankommen:  „Ich hoffe, es schadet nicht, dass ich sie früher schicke!“.

Wir möchten junge Menschen ermutigen, miteinander zu kooperieren. Allerdings scheinen sie nicht sicher zu sein, ob sie das dürfen: „Ich wollte Bescheid geben, dass Emil und ich die Aufgaben von dieser Woche zusammen gemacht haben. Ich hoffe, es ist nicht schlimm.“

Nein, keine Sorge. Solange ich dich nicht prüfe, ist es nicht schlimm.

Ich habe wohl als Lehrerin die Macht, Absolution zu erteilen:

– „Ich entschuldige es, dass du dich nicht 100%-ig an die Aufgabenstellung gehalten hast!“

– „Ich verzeihe dir, dass du die Geschichte nicht rechtzeitig geschickt hast!“

– „Ich entscheide, dass die frühere Abgabe nicht schadet!“

– „Ich entscheide, dass es nicht schlimm war, mit deinem Freund zusammen zu arbeiten.“

Woraus entstehen solche SchülerInnenentschuldigungen?

Daraus, dass wir ihnen eingeimpft haben, präzise unsere Erwartungen zu erfüllen. Genau das zu tun, was wir von ihnen verlangen.

Daraus, dass wir sie auf Gehorsam gedrillt haben. Werden sie diesen Gehorsam später –als Erwachsene – einfach so wieder ablegen (können)? Oder werden sie weiter auf Autoritäten hören (wollen)?

Menschlich machen mich solche SchülerInnenentschuldigungen betroffen.

Das LehrerInnenhirn in mir denkt jedoch: „Besser so, als wenn einer den Aufstand probt.“