Ich will nicht, was Schule für mich will

Schule will, dass ich um 8 Uhr auf der Matte stehe. Da bin ich eigentlich noch müde.

Schule will mich in jedem Fach bewerten. Ich will nicht täglich ungefragt bewertet werden.

Schule will, dass ich donnerstags von 8:05 Uhr bis 8:50 Uhr den Anweisungen der Französischlehrerin folge. Ich will lieber Italienisch lernen.

Schule will, dass ich von 8:55 Uhr bis 9:40 Uhr im Musikunterricht mitsinge. Nachdem der Musiklehrer mich einmal darauf hingewiesen hat, dass ich diejenige bin, die falsch singt, traue ich mich nicht mehr zu singen.

Schule erlaubt mir von 9:40 Uhr bis 9:55 Uhr zur Toilette zu gehen und zu essen. Ich muss aber um 10:35 Uhr zur Toilette. Das will Schule aber nicht.

Schule will meine Gedanken konzentrieren und lenken. Ich will meinen eigenen Gedanken folgen.

Schule will, dass ich im Sportunterricht mit MitschülerInnen ringe. Ich will keinen Körperkontakt mit Menschen, die mir nicht vertraut sind.

Schule will, dass ich mich vor zwanzig MitschülerInnen äußere. Ich will nicht gezwungen werden, zu sprechen.

Schule will, dass ich im Unterricht neben Kindern sitze, mit denen ich nicht vertraut bin, damit ich mich besser konzentriere. Ich will das nicht. Genauso wie ich in meiner Freizeit keine Zeit mit nicht vertrauten Menschen verbringe.

Schule sagt, es ist nicht schlimm, Fehler zu machen. Die Noten basieren trotzdem auf diesen Fehlern. Ich verstehe das nicht.

Schule will, dass ich selbstständig arbeite. Wenn ich selbstständig entscheide, welche Farben ich zum Unterstreichen verwende, schimpft der Lehrer.

Schule will nur mein Bestes. Ich auch. Aber in Schule fühlt sich mein Bestes oft nicht gut an.

Ich stelle fest: Ganz häufig will ich nicht, was Schule für mich will. Ist das schlimm?

Und ich frage mich: Was ist nun richtig – für mich? Das, was Schule will, oder das, was ich will?