Aus dem LehrerInnentäschchen geplaudert: über die LehrerInnenausbildung

Was genau lernt man da eigentlich?

Ein großes Ziel ist, die angehenden LehrerInnen zu befähigen, kompetenzorientierte Unterrichtsstunden zu gestalten. Dabei spielen Kernbegriffe wie Prozessorientierung, Individualisierung, Differenzierung, Kernanliegen, Schüleraktivierung, Zeiteffizienz und andere wichtige Aspekte eine große Rolle. Anbei unten ein Einblick in eine fertig geplante Stunde. Jede einzelne Minute ist minutiös vom Lehrer/der Lehrerin vorgedacht, vorgeplant und mit einem Teilziel versehen (In der Ausbildung schreibt man sich meist noch in die Spalte „Phase“ die Minuten daneben, die jede einzelne Phase dauern darf). Mitunter werden SchülerInnenfragen antizipiert und die eigenen Antworten zurecht gelegt. Die Stunde sollte zu Beginn die SchülerInnen motivieren und ihr Vorwissen aktivieren. Anschließend folgen die Erarbeitungs- und Anwendungsphase und, wenn der/die LehramtsanwärterIn in den sehr guten Notenbereich kommen möchte, sollte er/sie auf jeden Fall an die Transferphase denken. Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Stunde ist außerdem eine angemessene Progression (vom leichten zum schweren Unterrichtsinhalt) und löblich ist der Bezug zur Lebenswelt der SchülerInnen („Stell dir vor, du hast einen französischen Freund. Schreib ihm eine Email über …“). Denn dieser steigert ungemein ihre Motivation. Der Lernzuwachs, der sich bei den SchülerInnen vollziehen soll, ist präzise beschrieben und eingegrenzt. Ob der/die LehramtsanwärterIn diesen bei den SchülerInnen erreicht, also macht, dass sie den vorgegebenen Inhalt lernen, daran wird unter anderem auch seine/ihre Stunde bewertet. Im Referendariat plant man eine 45-Minuten-Stunde übrigens gern schon mal drei Wochen.

Was ist die Rolle der SchülerInnen in diesem Prozess?

Sie sind die Begünstigten. Sie dürfen sich dankbar schätzen, mit Wissen befüllt zu werden. Sie sind das Objekt der LehrerInnenplanungen.
Dass sie von Natur aus Subjekte sind, fällt hinten rüber. Ob sie der Lerninhalt interessiert, ob sie mit dem Lernprozess etwas anfangen können, ob sie nach ihren Bedürfnissen lernen können, danach wird in der Planung der Unterrichtsstunde nicht gefragt.

So werden unsere LehrerInnen ausgebildet. Selbstverständlich macht keinE LehrerIn im ‘echten‘ LehrerInnenalltag später solche minutiösen und zeitaufwendigen Pläne. Dennoch sind dies die Vorstellungen, die von ‘richtigem Unterricht‘ vermittelt werden und die LehrerInnen mit sich herum tragen.

Ich frage mich: An welcher Stelle haben wir die Menschen vergessen?