Schuldilemma – Was tun, wenn es sich nicht gut anfühlt?

In der Schule werden SchülerInnen genötigt und bedrängt, in die Ecke gedrängt: „Du musst jetzt …, sonst…“, „Das ist richtig und wichtig für dich.“, „Denk an deine Zukunft.“, „Das wird Konsequenzen haben.“ Wenn ihr Gefühl ihnen aber etwas ganz Anderes vermittelt: „Ich fühle mich nicht wohl. Ich fühle mich bedrängt. Das hier tut mir nicht gut.“, entsteht ein innerer Zwiespalt. „Warum geht es mir nicht gut, wenn doch der Erwachsene sagt, dass das hier gut für mich ist?“ In diesem Dilemma müssen die SchülerInnen sich entscheiden. Entweder erklären sie ihr Gefühl für falsch. Oder die Worte des Erwachsenen. Letztere Option ist lebensbedrohlich: die Angebundenheit an Erwachsene als Kind zu verlieren setzt die eigene Existenz auf’s Spiel. Erstere Option ist im eigenen späteren Erwachsenenleben lebensbedrohlich. Den eigenen Gefühlen misstrauend steht man ohne Orientierung im eigenen Leben. Und welche Prägungen trägt dieser Erwachsene mit sich herum? „Andere wissen besser, was für mich gut ist. Wenn es sich für mich nicht gut anfühlt, heißt das längst noch nichts. Da muss ich jetzt halt durch.“

Wenn man als SchülerIn in seinen Freuden, Ängsten und Nöten nicht ernst genommen wird, was ist dann dahinter die ungesagte Botschaft? Vielleicht in etwa: Was du fühlst, spielt keine Rolle? Und somit lernt man, seine Ängste, Freude und Nöte selbst nicht ernst zu nehmen. Spielten ja keine Rolle. Spätestens als ErwachseneR, wenn niemand mehr vorschreibt, was zu tun ist, ist man dann tatsächlich in Not.

Das ist kein freudvolles Leben. Wie können wir junge Menschen also besser begleiten? So begleiten, dass sie sich selbst vertrauen und ihren Weg durch’s Leben sicher gehen?

(Einige Kinder und Jugendliche in unseren Schulen scheinen ganz gut mit diesem Dilemma umgehen zu können. Aber was ist mit denen, die es nicht tun, die stille oder laute Symptome entwickeln?)